Bericht Audi 3

Die M10 der Grete-Schickedanz-Mittelschule hat sich im Rahmen des Faches GSE zum Unterrichtsthema „Technik und Mobilität“ auch die Entwicklung des Automobils erarbeitet. Zum Abschluss bot eine Betriebserkundung im Audi-Stammwerk Ingolstadt Einblicke in die Produktion eines Autos – früher und heute.

Nach der Anreise mit Zug und Bus beim Werksgelände von Audi angelangt, besuchten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit den begleitenden Lehrkräften Herr Koppitz und Frau Liebl zuerst das „Audi MuseumMobile“. Ein viertelstündiger Film stimmte dort auf die Entwicklung und Firmengeschichte ein, schnitt die wichtigsten Meilensteine dieser aber nur an und glänzte dagegen mit Schlagworten und Fragestellungen über die Zeit und Zukunft. Die eher als Multivisions-Show angelegte Vorstellung mit vielen Bildern und dem Vergleich von Balletttänzern mit der Bewegung des Autos hinterließen gerade wegen der beeindruckenden Aufmachung einen bleibenden Eindruck. Und der Traum von der „Herrschaft über Zeit und Raum“, der dabei formuliert wurde, genauso wie die Frage, wie Menschen in der Gegenwart und Zukunft fahren, wurde in den drei Etagen des Museums durch zahlreiche Exponate deutlich. Fahrzeuge – sowohl Autos als auch (motorisierte) Zweiräder – zeigten die Geschichte dieser Firma, begründet 1899 von August Horch.

Audi 1

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Nach einer kurzen Pause folgte dann für viele Schüler der wohl deutlich spannendere Part: Eine Führung durch die Produktionsstätten des Audi-Werks. Begrüßt von Mitarbeiterin Hanna Maraun folgte zuerst ein kurzer Überblick, bevor sich alle auf die handy- und kamerafreie Führung begaben.

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In Deutschland ist Audi sowohl am Stammsitz Ingolstadt als auch in Neckarsulm vertreten. Das allerneuste der inzwischen 18 Werke liegt in Mexiko, dort wird jetzt der „Q5“ gebaut. Dessen Montage fand zuvor in Bayern statt, momentan werden hier die Modelle A3, A4, A5 und Q2 in diversen Ausführungen angefertigt, in einer ausgeklügelten, trotz einem Bild aus der Vogelperspektive unüberschaubar anmutenden Anordnung von Gebäuden. Die gesamte Fläche hat mehr als 2 Millionen Quadratmeter und ist damit größer als Monaco, man könnte fast schon von einer eigenen Stadt in der Stadt sprechen. Von Nord nach Süd ist sie mittig einmal durchschnitten, hier verläuft die Bahnlinie von Nürnberg nach München. Gleich außerhalb des Werksgeländes hat sich außerdem das Güterverkehrszentrum (GVZ) angesiedelt, viele Zulieferer können ihre Teile so über eine Verbindungstunnelbrücke direkt ins Werk liefern, unabhängig von Wetter und Verkehr. Eingetaktet sind die Teile so, wie sie gebraucht werden – just in sequence und just in time, denn alle 15 Minuten kommt neues Material. Pro Tag besteht ein Bedarf von1600 Tonnen Stahl und 73 Tonnen Aluminium, der gedeckt werden will. Bis zu 2400 Fahrzeuge werden am Tag produziert, insgesamt arbeiten in Ingolstadt ca. 45 000 Mitarbeiter. Damit ist der Standort auch zahlenmäßig der Größte, das Headquarter der AG, die insgesamt über 90 000 Mitarbeiter hat.

Bericht Audi 5

Anschließend ging es für die Jugendlichen mit einem der Busse, die das Gelände befahren, in den Norden zum modernsten Karosseriebau der Welt. Dort erfuhren sie von Hanna Maraun, dass eine Rohkarosse aus einzelnen Teilen besteht. Aufgebaut ist sie in einer 2-Schalen-Bauweise, die mehr Stabilität und Sicherheit bieten soll. Mehr als 280 Teile (abhängig vom Modell), begonnen mit dem Unterboden, dann folgen Seitenwände und Dach, wollen montiert werden. Von den Mitarbeitern, die im 3-Schicht-Betrieb arbeiten, sieht man in der Halle jedoch relativ wenig, an sogenannten Schweißgruppen arbeiten Roboter und schweißen die Teile zusammen. Die Mitarbeiter vor Ort überwachen hauptsächlich Wartung und Instandsetzung der Geräte, denn über 80% der Herstellung sind automatisiert.

Allein der Unterboden braucht 50 Inlinestationen, insgesamt acht Stunden, die reine Bauzeit beträgt drei Stunden. Über einen Datenträger, die automatische Karossenidentifikation, welche an der Karosse angebracht ist und den kompletten Bauvorgang mitfährt, werden die Informationen, welcher Fahrzeugtyp gebaut werden soll, an die Logistik weitergegeben und von den Robotern ausgeführt. Weil jede Information über Funk läuft, besteht auch das Handyverbot. Nichts soll die sensible Technik stören. Auch sind Aufnahmen jeglicher Art verboten, sie könnten für Wirtschaftsspionage verwendet werden. Wie wichtig das ist, zeigt sich bei den Erlkönigen, denn die allerersten Prototypen werden zu einer Teststrecke gebracht, in völlig neutralem LKW. Die Strecke selbst wird komplett überwacht, für die Mitarbeiter besteht höchste Geheimhaltungsstufe. Trotzdem passiert es immer wieder, dass von den Modellen, die mit Camouflage beklebt sind, damit ihre genaue Form nicht erkannt werden kann, verfrüht Bilder ins Netz gelangen. Solche Autos, die auf der Straße unterwegs sind, seinen allerdings schon „freigegeben“ bzw. Testfahrzeuge.

Schließlich führte Hanna Maraun die Gruppe nach einer weiteren Busfahrt zurück in den Süden zur Endmontage. Dort konnten deutlich mehr Mitarbeiter ausgemacht werden, die Linien dort werden zu größten Teilen händisch besetzt. Jede Gruppe mit 10 bis 12 Mitarbeitern arbeitet am Band, es gibt eine Taktzeit von 140 Sekunden, länger dürfen sie für ein Auto nicht brauchen. Hier konnte man auch schon sehen, dass die Fahrzeuge, inzwischen vier mal lackiert, was durch die Einbrennzeit im Ofen auch nochmal etwa sieben Stunden dauert, langsam Gestalt annehmen.
Wird in diesem Montageschritt vor allem die Elektrik eingebaut, ist das Lenkrad schließlich das letzte Stück hin zum fertigen Auto. Dann erfolgt die Auslieferung der Fahrzeuge, die momentan hauptsächlich schwarz, weiß, silber oder graue Farben haben. Über 70% werden mit dem Zug weitertransportiert, etwa 20% per LKW und die restlichen werden direkt abgeholt. Ein Fahrzeug muss innerhalb eines Tages ausgeliefert werden, mehr Platz würde es auf dem Gelände nicht geben.

Audi 6

Interessant für die Schüler war schließlich noch, dass Audi insgesamt 800 Azubis hat, die in mehr als 20 Berufen ausgebildet werden, 15 davon im technischen Bereich. Bei bestandener Abschlussprüfung ist die Übernahme garantiert. Ob sich einer der Schüler aus Hersbruck nun gleich um einen Ausbildungsplatz bewerben wird, wird sich zeigen. Hanna Maraun jedenfalls hatte es geschafft, alle vom spannenden Produktionsweg eines Autos zu begeistern und die Gruppe war wieder am Ausgangspunkt angelangt. Somit ging es wieder mit dem Bus zum Bahnhof und mit dem Zug zurück nach Hersbruck. Erste zukünftige Autowünsche schon den Eltern mitgeteilt, versteht sich.

Michelle Ermer