Am 04.03.2015 fuhren alle 9. Klassen der Mittelschule Hersbruck zum Konzentrationslager Flossenbürg. In diesem KZ wurden viele Menschen während der nationalsozialistischen Tyrannei von den Angehörigen der Gestapo und SS gequält und hingerichtet, z.B. Dietrich Bonhoeffer und viele andere Menschen, die nicht Hitlers Vorstellungen entsprachen. Es wurden bis zu 100 000 Menschen dort untergebracht, darunter zeitweise 48 000 Männer und 16 000 Frauen und sogar Kinder.

Drei Schülerinnen aus der Ganztagesklasse 9a berichten über weitere Details:

Wir fuhren um 8.00 Uhr mit dem Bus los und haben Flossenbürg gegen 10.00 Uhr erreicht. Empfangen wurden wir von Frau Seiler, die uns vorab Informationen über den Aufbau des Konzentrationslagers gab. Zunächst besichtigten wir das Verwaltungsgebäude der SS und erfuhren, dass in dem Gebäude oben zwei Scharfschützen postiert waren, die jeden sofort erschossen, der fliehen wollte. Danach gingen wir auf den Appellplatz, auf dem die Häftlinge sich täglich aufstellen mussten und nur nach ihren Nummern abgezählt wurden. Namen gab es im Lager nicht mehr. Der längste Appell dauerte 3 ganze Tage, weil ein Häftling geflohen war. In der Zeit, bis der Häftling wieder eingefangen war, durfte keiner den Platz verlassen, keine Nahrung zu sich nehmen und nicht auf die Toilette gehen. In diesen zwei Nächten starben wieder viele Männer einen grausamen Tod. Den Gestapo-Männern war das völlig egal, denn sie konnten einfach in Dachau anrufen und neue Häftlinge anfordern. Die Gestpo, so wurde uns klar, sah die Häftlinge nicht mehr als Menschen mit Gefühlen an, sondern nur noch als Tiere, die nur zum Arbeiten und Sterben hier waren. Wir waren schockiert.

floss01

Im ehemaligen Waschhaus, das heute eine Dokumentationsstätte ist, konnten wir an einem Modell das ganze Ausmaß des Konzentrationslagers und des Granit-Steinbruchs, dem „Arbeitsplatz“ der Häftlinge, erkennen. Dort mussten die Gefangenen Tag für Tag schwere Granitblöcke heraushauen, wobei täglich viele an Hunger, Durst und Erschöpfung starben. Unsere Lehrerin und drei Schüler durften einen Granitblock hochheben und waren erschrocken über das Gewicht, das die ausgehungerten Gefangenen schleppen mussten.

Die Menschen, die im Steinbruch ums Leben kamen, wurden von Mithäftlingen zurück in das Lager getragen und dort im Krematorium im „Tal des Todes“ verbrannt. Zuvor mussten Mithäftlinge ihre Zähne auf Gold untersuchen und dies dann herausbrechen und einschmelzen. Besonders grausame Arbeiten mussten die Häftlinge immer selbst verrichten, während die Gestapo-Männer auf dem angrenzenden Hügel ihre Wohnhäuser und einen Tennisplatz, von wo aus sie auf das unmenschliche Geschehen im KZ sehen konnten.

floss02

In einem weiteren Raum mit schwarzen Wänden hingen Zeichnungen und Erzählungen von Häftlingen, die das KZ überlebt haben. In der Mitte entdeckten wir die dünne Jacke und Hose sowie Schuhe eines Häftlings. Frau Seiler erzählte uns, dass ein Häftling weder Unterwäsche noch Strümpfe hatte. Auch im Winter gab es nur diese eine Kleidung. Wir entdeckten ein Bild, das im Hintergrund einen Christbaum mit leuchtenden Kerzen zeigte, und davor Häftlinge, die am Galgen hingen. Dazu rechts im Bild ein lachender Gestapo-Mann. Am Heiligabend bekam jeder Häftling als „Geschenk“ 50 Schläge mit einem Knüppel auf den ganzen Körper verteilt. Die Schmerzen hielten die meisten nicht aus und wurden ohnmächtig. Deshalb bespritzte man sie solange mit eiskaltem Wasser, bis sie wieder zum Bewusstsein kamen.

Jetzt zeigte uns Frau Seiler Betten der Häftlinge, in denen 4-5 Personen auf einer Strohmatratze gedrängt lagen und sich so leicht Krankheiten wie Diphtherie und Gelbsucht ausbreiten konnten. Auch Läuse wurden so schnell übertragen.

Dann begaben wir uns mit Frau Seiler auf den Weg in das „Tal des Todes“, wie es die Häftlinge nannten. Dort wurden 15 000 tote Häftlinge im Krematorium verbrannt. Die Asche dieser Toten bildet neben dem Krematorium einen pyramidenförmigen Hügel. Daneben befindet sich eine hohe Natursteinmauer, an der viele Häftlinge hingerichtet wurden.

floss03

Nach der Befreiung durch die Amerikaner wurden die Toten des Lagers und die Toten der so genannten Todesmärsche im Lager Flossenbürg immer begraben. Nun sind sie für immer dort, wo sie ihre Seelen verloren haben. Tamara Übler, Sandra Scherzer,